Sonntag, 18. Dezember 2011

warten


Lange hatte ich auf
Dich gewartet
dann bist du 
vorbeigekommen
und ich
hatte Dir
nichts zu sagen

Sonntag, 11. Dezember 2011

Gestern/Heute

Gestern
was bleibt sind
blaue Schatten unter rotgeäderten Augen -
einzige Zeugen
einer vergessenen Nacht.

Heute
bleibt Gestern,
sich blind treiben lassen
Zwischendurch mal die Augen öffnen
und einfach hoffen
dass der Schlaf bald wieder
um sich greift

Samstag, 26. November 2011

Ich bin dann mal weg

nach all dem Schulterklopfen und Schmeichelein
den Kränkungen und Schmähungen
zog ich unter eine Baskenmütze
auf neue Größe hoffend,
dass nachdem alle
gegangen waren,
ein Lulatsch käme
sie aufsetzend
um von da oben dann der Welt
einfach auf den Kopf zu spucken


Mittwoch, 9. November 2011

Lesungen 15., 19. und 20. November

15.11. 20.00 Uhr, Breakroom im Westwerk, Leipzig zur Ausstellung DIVIDE AND COMBINE von Sophie und Paul Altmann

19.11. 20.00 Uhr, Die Bühne (Das Theater der TU Dresden), OFF-Takt 

20.11. 16.00 Uhr und 18.00 Uhr  - Scheune, Alaunstraße - umundu-Festival Abschlussmarkt

Samstag, 5. November 2011

Krücke

Als der Frühling kam
zog ich in den Wald
einen Knüppel zu suchen,
eine Krücke, einen Stab

der, als ich auf dem Rückweg
am Waldrand stehend
in die Mittagssonne blinzelnd
stolpernd brach

Als alter Mann am Fenster
rückt das nun müde Auge
den Horizont wieder
in greifbare Nähe

Freitag, 14. Oktober 2011

Letterman trifft Maulkorb

Moritz7, Mitglied der Lesebühne »Letterman« und Silvio Colditz, Herausgeber der Literaturzeitschrift »Der Maulkorb« lesen im Rahmen der Ausstellung »Voyage Extraordinaire« [Art-Safari] von Irina Schatz und Ringo Köhler passende Kurzgeschichten und unangepasste Gedichte.

Musik: trans alp, der seine Zuhörer in elektronische Klangwelten verführen wird.

Wann? Mittwoch, 19.10., 20.00 Uhr
Ort? Krautwaldfabrik, Torgauer Straße 38

Es wird empfohlen einen warmen Pullover mitzubringen.

Der alte Punker

Es war noch gar nicht so lang her das ich den alten Punker das letzte Mal getroffen hatte. Ein paar Wochen vielleicht. Nicht lang genug wie ich fand. Ist er mir doch heute schon wieder über den Weg gelaufen.

Tach.“ sagte ich und, „Ach ja.“ der alte Punker.
Ich wollte keine all zu großen Vertraulichkeiten aufkommen lassen. Seine Gegenwart war mir zutiefst unangenehm. Zudem fiel mir ein, hatte ich unser letztes Gespräch komplett vergessen. Dieser Gedanke stimmte mich jedoch milde und ein wenig schuldbewusst, so dass ich um mit mir selbst ins Reine zu kommen schnell „Wie geht’s?“, fragte.
Ach, nee.“ sagte der mit seiner löchrigen Zunge.
Ja.“ sagte ich schnell.
Es ist wie es ist.“ sagten wir beide und so entstand schnell eine vertrauliche Stimmung.
Bier?“ fragte ich.
Kaffee?“ der alte Punker.
Wir nickten und gingen in ein Cafe an der Ecke. Ich war froh so schnell von der Straße wo man gesehen werden konnte wegzukommen. Er sah zwar nicht mehr so aus wie damals, aber vor meinen Augen hatte er sich nicht verändert.
Hey Moltke.“ strahlte die Bedienung den Alten Punker an, was mich daran erinnerte das er einen Namen hatte.
Guten Tag, schöne Frau.“ grinste der zurück.
Ich würdigte sie keines Blickes, als sie mir einen guten Tag wünschte.
Hier?“ fragte Moltke, auf einen freien Tisch zeigend.
Ja.“ zuckten meine Schultern. Es spielte keine besondere Rolle, da das Cafe leer war.
Wir setzten uns, Moltke bestellte einen Kaffee und ich ein Bier und dann schwiegen wir angespannt bis die Getränke kamen.
Der alte Punker rührte konzentriert in seinem Kaffee. Ich stürzte das Bier in einem Zug hinunter.
Wenn wir schon mal hier sitzen können wir uns auch unterhalten.“ sagte Moltke irgendwann.
Ich nickte stumm.
Was macht Vater?“ fragte Moltke und es klang als spräche er mit jemanden am Nachbartisch.
Sprechen wir nicht darüber. Er ist immer noch enttäuscht.“
Zwanzig Jahre könnten eine lange Zeit sein...“ sinniert der alte Punker.
Du hast ihn tief enttäuscht. Guck dich doch mal an, was erwartest Du?“ sagte ich schnell. Ich befand mich schon wieder in der Defensive. Ich befand mich immer in der Defensive. Aber das war auch kein Wunder. Ich bestellte noch schnell ein Bier gegen das Unwohlsein.
Durst?“ fragte Moltke. Ich antwortete nicht.
Die Bedienung flirtete aus der Ferne mit ihm, glaubte ich beobachten zu können. Ich stellte fest, dass mich das ärgerte. Sie war jung, blond, schön und er? Alt und verlebt, schlackerte die graue Haut um das klapperdürre Skelett. Aber die beiden lächelten verschwörerisch miteinander. Ich hatte genug. Wir waren mal gut miteinander ausgekommen, damals als Kinder. „Es ist wie es ist.“ Es ist lange her. Ich weiß nicht was passiert ist. Plötzlich war er verändert. Irgendwann hatte ich ihn nicht mehr verstanden. „Es ist wie es ist.“ sagte er damals und weg war er. Danach habe ich ihn lange nicht mehr gesehen. Erst als ich Jahre später in die Stadt zog bin ich ihm wieder begegnet. Unfreiwillig wie ich bemerken muss. Ich wollte eines der Kaufgewölbe betreten, als mich eine besoffene, heruntergekommene Gestalt um Kleingeld anbettelte. Der Anblick war schmerzhaft. Kein Vergleich jedoch zu dem Moment des Wiedererkennens. Ich wünschte mir, die Erde würde sich auftun und ihn darin verschlingen. Allein der Gedanke an diese Begegnung ließ mich erschaudern. Es war Zeit zu gehen.
Ich geh dann mal.“ sagte ich schwankend.
Anne und die Kinder? fragten seine Augenbrauen. 
Ich zuckte kurz zusammen. Ich muss sie wohl früher einmal erwähnt haben. Vielleicht war es aber auch nur das schlechte Gewissen meine Frau als Ausrede zu missbrauchen.
Ich nickte verlogen.
Bis denn.“ sagte er. Ich nickte und stürzte aus dem Cafe. Aus den Augenwinkel sah ich noch, wie sich die Bedienung zu ihm an den Tisch setzte. Ich stolperte über die Türschwelle nach draußen. Als ich aus dem Dreck aufstand, hörte ich sie noch fragen: „Wer war das denn, Dad?“

Samstag, 8. Oktober 2011

Elbe I

Später, bringt der Mond

die Stille der Sterne ans ruhende Flussufer
Einsam zirpt eine dagegen an
Das Wasser verliert Schwarz im Spiegel der Bäume
ein Fisch schnappt nach Luft
in der Ferne rattert ein Zug über meine Gedanken
die letzte Zigarette verglüht
ein kurzer Blitz am Nachthimmel

die Gräser freuen sich
auf den Morgentau



Freitag, 7. Oktober 2011

A.

Da du mir über den Weg gelaufen bist.
Bin ich stehen geblieben.
Und habe dir zugesehen und gehört was du zu sagen hattest
Es war schön dich anzusehen und interessant dir zu zuhören.

Es war ein von dir erbauter Tempel
in den du mir Einlass gewährtest
Ein perfektes Hologramm
Zwei Meter hoch in der Luft

Auf der Such nach dir
schritt ich hindurch
und prallte auf eine Mauer aus schmerzendem Nichts.

Dienstag, 27. September 2011

Kurzlesung Ausstellung Himmelsweg

Am 8.10. wird es im Rahmen der Finissage der Ausstellung Himmelsweg von Dirk Fröhlich in der Krautwaldfabrik ab 14.00 Uhr einen Lesenachmittag/abend geben. 
Neben Andreas S. Berndt, Dirk Fröhlich, Susanne Engelhardt, Enrico André Keydel (Lyrico), Suzanna Mikesh, Martin Zerrenner u.a., wird es auch einen kürzeren Beitrag von mir geben.

Vernissage ist am Freitag, 30.9., 20.00 Uhr in der Kunst-und Kulturfabrik Krautwald, Torgauer Straße 38. Bis Sonntag, 8.10. wird es dort jeden Abend Veranstaltungen geben. 
Alle Info's dazu gibts unter www.metropole-pieschen.org.

Freitag, 23. September 2011

Von Autos und Wagen

Manche Männer fahren ein Auto und manche haben einen Wagen.
Oft ist das dasselbe.
Die Wagen werden geputzt bis der Chrom glänzt oder der Lack ab ist.
Dazu braucht man viele weiche Lappen und eine Frau.
Denn die gebärt die Kinder.
Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens hängt man sein Fähnchen in den Wind, besonders bei Flaute.
So bleibt man ein unerschütterlicher Fels in der Brandung und eine Stütze der Gesellschaft.
Manchmal wird auch das Sein vom Nichts heimgesucht.
Dann fährt Mann in die Kneipe oder ins Bordell oder zu Beidem.
Wenn das Geld reicht...

Freitag, 16. September 2011

Schuhe

Damals als man die Söhne der Götter ans Kreuze nagelte liefen die Menschen mit Sandalen über die Erde. 
Heute sind wir bessere Menschen. 
Wir haben Turnschuhe aus Gummi für kleines Geld zum Supersondersparpreis. 
Kreuze tragen wir um den Hals. 
Gottessöhne sperren wir in die Psychiatrie. 
Da ist viel Platz. 
Sie bekommen Drogen und haben ein schönes Leben. 
So kommen sie nicht auf dumme Ideen und die Bürger sind sicher.
Andere steckt man in orange Anzüge und stülpt ihnen Säcke über den Kopf. 
Damit wir keine Angst mehr haben müssen. 
Das ist wie mit den Philosophen. 
Früher lebten sie in einem Fass. 
Heute im Elfenbeinturm. 
Sie haben große Ideen. 
Meist fliegen diese davon. 
Wie Einwegzugvögel. 
Dafür haben ihre Bücher dann unendlich viele Fußnoten.

Krautwaldfabrik II

Nachtrag zur Krautwaldfabrik:
Der Blick von der Empore als 3D-Animation.

Alle Infos zur aktuellen und kommenden Ausstellungen in der Kunst- und Kulturfabrik Krautwald gibt es hier.

Sonntag, 11. September 2011

Nachdem, später


Vielleicht später,
wenn sich auch Deine Ecken und Kanten
tief in mich
eingeschliffen haben werden

vielleicht erst nachdem Du gegangen bist,
und der rostige Schmerz
die hinterlassenen Ecken und Kanten
vergeblich abzuschmiergeln versuchte

wenn es nichts mehr zu verlieren,
nichts mehr zu gewinnen gibt.
Bilanz gezogen wurde,
dann erst
werde ich Dir mit Deinen Worten 
ein Liebesgedicht schreiben

Donnerstag, 8. September 2011

Freitag, 2. September 2011

Traurig

Heute Morgen ist mir ein großer Klumpen Glück in den Schoß gefallen
Einfach so
Ich wollte ihn mit Dir teilen oder Dir
Aber Du warst nicht da und Du auch nicht
Da wurde ich traurig

Freitag, 19. August 2011

Wunderbarer Tag


Heute war ein wunderbarer Tag
ich hatte ein Haar 
in meiner Suppe
gefunden
das freute mich sehr
denn es war Dein Haar

Freitag, 12. August 2011

Lesung Krautwaldfabrik

Anstatt langweiliger Bilder von meiner Lesung am 6.8. in der Krautwaldfabrik,
ein Link zu einer coolen 3D-Animation der Krautwaldfabrik von aerorama.net.

Haiku

Ich höre Dir zu
während Du schweigst
es knistert nichts

--

die vergessene Zeile lacht
über das perfekte Gedicht

--

grasgrüne Augen
Barhockerblaue Lippen
schwarze Einsamkeit

--

das silberne Kreuz
oh, wie es lacht - da
über deinem Dekoltee


Donnerstag, 11. August 2011

Freundschaft

Grau so sagt man
sei alle,....
Therapie
mein Freund,
sei alle Theorie -

Auch ohne habe ich
Deinen Kaviar genossen,
Deinen Champagner geschlürft,
Deine Zuwendungen entgegengenommen
und
das Messer hinter
Deinem Rücken gewetzt

Für den Fall aller Fälle
um Dir selbiges abzuziehen
für den Fall der Fälle

das Du von meinem Kaviar dippst
und an meinem Champagner nippst.


(erschienen im umlautmagazin nr.2)
 

Montag, 8. August 2011

Starenkästen

Als Haus wäre Karl ein Starenkasten. Vielleicht hätte er irgendwann davon die Nase dann dicke. Vielleicht wäre sein Film aber auch schon vorher voll. 

Sie wäre garantiert mit drauf. Irgendwann ist etwas mit ihr passiert. Was, dass wusste niemand. Später wurde es egal. Vielleicht hätte man sie auch vergessen. 
So stand da diese unverputzte Wand die sie um sich gebaut hatte in der Gegend herum.
Auch heute noch gibt es Gegenden, in denen Dinge passieren, die wir nicht verstehen. Häufig sind das Jene in denen wir leben...

Das Manuskript


Als der Autor sein Manuskript
um
banale Füllwörter,
blumige Vergleiche,
ausschmückende Nebensätze,
unnütze Einschübe &
belanglose Nebenstories
gekürzt hatte,
stellte er fest
das er nichts 
zu sagen hatte.